Archiv für den Monat: März 2016

ISO-Empfindlichkeit

Was hat es eigentlich mit der ISO-Empfindlichkeit bei digitalen Kameras auf sich?

ie ISO 5800 von 1979 definiert die Lichtempfindlichkeit von Farbnegativfilmen. In Anlehnung daran -es wird in der Digitalfotografie ja kein Filmmaterial verwendet- wird auch in der Digitalfotografie der ISO-Wert als Angabe der Lichtempfindlichkeit verwendet.

Je höher der ISO-Wert, desto „empfindlicher“ ist der Bildsensor, wobei eine höhere Empfindlichkeit in der Regel dadurch erzielt wird, dass das Sensorsignal verstärkt wird. Praktisch bedeutet das, dass bei einem höheren ISO-Wert auch bei wenig Licht noch gute Aufnahmen gelingen.
Jeder Kamerasensor hat eine Basis-Empfindlichkeit, d.h. einen ISO-Wert, bei dem weder eine Verstärkung, noch eine Abschwächung des Sensorsignals stattfindet. Hierbei handelt es sich meist um ISO 100 oder ISO 200 – je nach Kameramodell/Sensor. Wird die Empfindlichkeit verstärkt, so spricht man auch von höherer ISO-Emfpindlichkeit und entsprechend höheren ISO-Werten. Umgekehrt gilt das bei einer Abschwächung des Signals.

ISO-Emfpindlichkeit

Typische ISO-Werte sind: ISO 100, 200, 400, 800, 1600 usw. – je nach Kameramodell auch mit Zwischenschritten und niedrigeren oder höheren Werten. Teilweise werden sehr hohe oder sehr niedrige ISO-Stufen auch mit speziellen Abkürzungen bezeichnet, z.B. „Lo1“ oder „Hi1“. Details siind vom Kameramodell abhängig und in der Bedienungsanleitung nachzulesen.

Grundsätzlich gilt: Jede Verdoppelung oder Halbierung des ISO-Wertes enstpricht einer Änderung um eine Blendenstufe. Das bedeutet, dass bei gleichen Lichtbedingungen die Erhöhung der ISO, beispielsweise von ISO 100 auf ISO 200, zur Erzielung des gleichen Bildergebnisses wie vor der Erhöhung, die Blende um eine Blendestufe geschlossen werden kann oder aber die Belichtungszeit halbiert werden kann.

Mit höherer Verstärkung nimmt allerdings auch das Bildrauschen zu. Bildrauschen äußert sich u.a. in Farbrauschen (Chrominanzrauschen, „Farbpunkte in eigentlich einfarbigen Flächen“) und Helligkeitsrauschen (Luminanzrauschen, „hellere und dunklere Flecken in eigentlich gleichmäßig hellen Flächen“). Farben wirken bei höherer ISO-Empfindlichkeit auch nicht mehr so brilliant, die Dynamik nimmt ab.

Viele Kameras besitzen Mechanismen zur Unterdrückung von Rauschen, wobei diese oft zu Lasten der Qualität, genauer gesagt der Bilddetails, gehen. Oftmals entspricht eine Rauschreduzierung einer Weichzeichnung, so dass auch Konturen verloren gehen. Bei guten Kameras lässt sich die Rauschreduzierung einstellen, bspw. in welchen Fällen sie überhaupt angewendet wird und teilweise auch noch im welchem Umfang. Oftmals ist es z.B. möglich einzustellen, dass die Rauschreduzierung erst ab einem ISO-Wert von X angewendet wird und nicht pauschal auf jedes Bild.

Die Rauschreduzierung ist übrigens nicht mit dem Dunkelbildabzug (Dark Frame Reduction) zu verwechseln. Hierbei wird, typischerweise bei Langzeitbelichtungen, ein zweites Bild bei geschlossenem Verschluss aufgenommen und -vereinfach gesagt- das hierbei entstandene Rauschen vom eigentlichen Bild „abgezogen“. Der Dunkelbildabzug geht normalerweise nicht zu Lasten der Bildqualität.

Bildrauschen wird u.a. durch die Pixelgröße (Größe der Fotodiode auf dem Bildsensor) und den Abstand der einzelnen Pixel zueinander bestimmt. Somit lässt sich folgern, dass kleinere Bildsensoren bei gleicher Pixelzahl („Auflösung“) anfälliger für Rauschen sind, als größere Sensoren. Bei gleicher Sensorgrößere ist ein Sensor mit mehr Pixeln demzufolge auch anfälliger für Rauschen, als ein gleich großer Sensor mit geringer Pixelzahl.

Rauschen tritt besonders auffällig dann hervor, wenn eigentlich dunkle Bildpartien aufgehellt werden. Rauschen kann also auch minimiert werden, indem bei der Aufnahme bereits berücksichtigt wird, dass die Aufnahme ausreichend belichtet ist. Kamerainterne Mechanismen, die dunkle Bereiche automatisch aufhellen, sind hiervon auch betroffen und sollten abgeschaltet werden oder nur minimal verwendet werden. Bei Nikon ist z.B. das Active D-Lightning davon betroffen.

Eine andere Möglichkeit hohe ISO-Werte zu umgehen, besteht -zumindest bei statischen Motiven- in der Verwendung eines Stativs und damit möglicherer, längerer Belichtungszeiten, die eine hohe ISO-Einstellung nicht erforderlich machen.

Faustregel 1: Je niedriger der ISO-Wert, desto weniger Rauschen, desto mehr Details und desto mehr Bildqualität.

Faustregel 2: Lieber ein Bild mit etwas Rauschen, als ein verwackeltes Bild.

Faustregel 3: Aufhellen von dunklen Bildpartien vermeiden.

Faustregel 3: ISO gering halten durch Verwendung eines Stativs, wenn möglich.

Qualitätsfalle ISO-Automatik: Viele Kameras bieten eine ISO-Automatik an. Ist diese aktiviert und wird eine bestimmte Belichtungszeit überschritten, so wird -zum Schutz vor Verwacklungen- die ISO automatisch erhöht, ohne dass ein Benutzereingriff erforderlich ist. Je nach von der Kamera gewählter ISO-Stufe „erkauft“ man sich diesen „Verwacklungsschutz“ mit Bildrauschen. Bei den meisten Kameras kann die ISO-Automatik deaktiviert werden oder/und es kann eine Obergrenze für die ISO-Automatik festgelegt werden (bspw. maximal ISO 400 wählen, auch wenn die Kamera ISO 1600 unterstützt). Wie bei jeder Automatik, so sollte auch die ISO-Automatik nicht direkt verteufelt werden. Wichtig ist, die Funktion und ihre Wirkung zu kennen. Richtig eingestellt kann sie eine gute Hilfe sein.

Tipps zur Stativnutzung

Aber ich habe doch extra mit Stativ fotografiert“ ist eine Aussage, die darauf schließen lässt, dass ein Foto trotz Stativeinsatzes nicht den Erwartungen entspricht. Hier 10 Tipps zur gelungenen Stativaufnahme.

Zumeist -aber nicht ausschließlich- wird ein Stativ eingesetzt, wenn die Belichtungszeiten für Aufnahmen aus der Hand zu lang werden. Folgende Fälle sind typisch für einen solchen Einsatz:

  • Dämmerung / Dunkelheit
    (z.B. Aufnahmen zur blauen Stunde / Nachtaufnahmen)
  • nicht ausreichende künstliche Beleuchtung
    (z.B. Innenaufnahmen)
  • lange, lichtschwache Brennweite bei wenig Licht
    (z.B. Einsatz von Teleobjektiven bei bewölktem Himmel im Zoo)

Allein die Verwendung eines Statives ist aber noch kein Garant für ein gutes Bild.

Deshalb hier ein paar Tipps:

Vorhandenes Stativ mitnehmen
Das beste Stativ nützt nichts, wenn es zu Hause geblieben ist. Also vor dem Start gut (!) überlegen, ob es gebraucht werden könnte. Zugegeben, dieser Tipp scheint überflüssig, ist er aber nicht, gerade auch hinsichtlich der Anschaffung. Beim Kauf sollte bereits auf Größe und Gewicht (in Verbindung mit guter Qualität und Standfestigkeit) geachtet werden, denn sonst bleibt doch gerne mal das zu schwere oder zu große Stativ zu Hause.

Stabiles, passendes Stativ nutzen
Es gibt gute Gründe, warum Stativ A für 19,90 EUR inklusive Tasche zu erwerben ist und Stativ B ohne Stativkopf und Schnellwechselsystem 330,00 EUR kostet. Wichtig ist, dass ein zur Kamera passendes Objektiv verwendet wird (Stichwort: maximale Belastbarkeit), welches auch stabil ist. Wenn sich die Kamera auf dem 19,90 EUR-Stativ mit dem kleinen Finger hin- und herbewegen lässt, dann ist das kein Zeichen für Stabilität.

Mittelsäule möglichst wenig verwenden
Bei der Stabilitätsbetrachtung eines Statives hat die meist ausfahrbare Mittelsäule ein besonderes Augenmerk verdient, da sie oft -auch bei hochwertigeren Stativen- der Schwachpunkt ist. Je mehr sie ausgefahren wird, desto wackeliger wird die Konstruktion. Wann immer es sich vermeiden lässt, sollte also auf das Ausfahren der Mittelsäule verzichtet werden.

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Spiegelvorauslösung aktivieren
Bei Einsatz einer digitalen Spiegelreflexkamera wird vor der Auslösung (der Aufnahme) der Spiegel hochgeklappt, damit das Licht durch das Objektiv auf den Sensor fallen kann. Dadurch gerät das gesamte System in Schwingung. Die Spiegelvorauslösung bewirkt, dass zwischen dem Hochklappen des Spiegels und der Aufnahme Zeit zum Ausschwingen bleibt. Ob die Kamera eine Spiegelvorauslösung hat und wie sie aktiviert wird, ist dem Handbuch zu entnehmen.

Bildstabilisator ausschalten
Viele moderne Kameras und/oder Objektive bieten einen Bildstabilisator an (gängige Abkürzungen: VR, IS, OS oder VC). Dieser erkennt und korrigiert Bewegungen der Kamera/Linse und ermöglicht somit ein verwacklungsfreieres Fotografieren auch bei Belichtungszeiten, bei denen ohne denselben normalerweise keine verwacklungsfreien Aufnahmen mehr möglich sind. Bei der Verwendung von Stabilisierungssystem auf dem Stativ kann (!) es vorkommen, dass der Stabilisator versucht eine Bewegung auszugleichen, die nicht vorhanden ist, da die Kamera ja auf dem Stativ sitzt. Dadurch ist es möglich, dass der Stabilisator eben nicht stabilisiert, sondern die Ursache von Unschärfe ist. Normalerweise sollte die Technik erkennen, dass ein Stativ verwendet wird, aber darauf muss man sich nicht verlassen. Fakt ist: Er wird bei der Aufnahme auf einem Stativ nicht benötigt, deshalb kann er ausgeschaltet werden und so ist wenigstens eine weitere mögliche Fehlerquelle ausgeschlossen

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Vor Wind schützen
Natürlich kann auch Wind bei langen Belichtungszeiten (die auf dem Stativ ja meistens genutzt werden) für Verwacklungsunschärfe sorgen. Deshalb sollte die Stativ-Kamera-Kombination vor Wind geschützt werden, z.B. durch Abschatten mit dem eigenen Körper, einem Mantel oder dem Aufstellen in einer windgeschützten Ecke. Auch empfiehlt es sich ggf. vorhandene Tragegurte abzunehmen, weil deren leichte Schwingungen im Wind sich auf die Kamera übertragen können.

Stativ beschweren
Insgesamt stabiler wird das System, wenn es beschwert wird. Hierzu bieten viele Stative kleine Haken an, an den Gewichte befestigt werden können. Im Zubehörhandel gibt es aber auch Tücher, die zwischen die Stativbeine gespannt und beschwert werden können.

Fernbedienung oder Selbstauslöser verwenden
Jede Berührung, z.B. auch das Drücken des Auslösers, versetzt das Gesamtsystem in Schwingung. Von daher ist es nur logisch zum Auslösen der Kamera entweder eine Fernbienung zu nutzen oder -falls nicht vorhanden- den Selbstauslöser zu nutzen, der es dem System ermöglicht wieder auszuschwingen.

Auf stabilen Stand achten
Nicht jeder Untergrund ist gleichermaßen für die Aufstellung eines Statives geeignet. Ein leichtes Wackeln am Stativ zeigt schon oft, ob es einen stabilen Stand hat. Oft hilft es schon, den Standort ein wenig zu verändern. Auch die Verwendung von Spikes (wenn das Stativ dieses unterstützt) kann hilfreich sein, wie aber auch das einfache Unterlegen von z.B. kleinen Holzplatten im Schnee oder auf sandigem Boden.

Schwingungsfreien Untergrund nutzen
Selbst wenn der Untergrund von der Materialbeschaffenheit her optimal geeignet ist, so ist zusätzlich sicherzustellen, dass möglichst wenig Schwingungen vorhanden sind. So ist z.B. der schöne glatte Asphaltboden neben der vielbefahrenen Straße verlockend, aber wegen des vielen Verkehrs keine optimale Wahl. Auch Brücken sind solche verlockenden Fallen, zumal sie oft eine schöne Sicht ermöglichen – wie auch hohe Gebäude. „Gemein“ ist, dass schon ein geringes Maß an Schwingung für Verwacklungsunschärfe reichen kann – hier ist die Kamera deutlich sensibler als der Mensch.